Aborigines in Australien - Es gibt keine Aussöhnung ...

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Aborigines in Australien - Es gibt keine Aussöhnung ...

Postby sandover » 22. Mar 2004, 17:50

Aborigines in Australien - Es gibt keine Aussöhnung

Sie sind die Ausgestoßenen Australiens, bewundert höchstens von Touristen. Wie die Ureinwohner des Fünften Kontinents leben, erinnert häufig an Elendsquartiere der Dritten Welt, mitten in einem der reichsten Länder der Erde. Der Mangel an Perspektiven treibt viele dem Missbrauch von Alkohol und Drogen zu; das Leben eines Aborigine ist im Durchschnitt 20 Jahre kürzer als das der "weißen" Australier - ein soziales Pulverfass mit kurzer Lunte.

Diesmal war es der tragische Unfalltod des 17-jährigen Thomas Hickey in einem Vorort Sydneys, der den Funken zu einer Explosion der Gewalt lieferte. Schlicht als "The Block" ist jene Gegend in der trostlosen Vorstadt Redfern bekannt, die zum Schauplatz der Straßenschlacht zwischen Polizei und Randalierern in der Nacht zum Montag wurde.

Selbst den Justizsprecher der konservativen Opposition im Bundesstaat New South Wales, Peter Debnam, wundert die Aggression kaum: "In vielen Gegenden von Redfern fehlt die Grundversorgung, und seit zehn Jahren verspricht die Regierung ergebnislos eine Sanierung."

Redfern wirft ein Schlaglicht auf die Lage der Ureinwohner, die zwar nur 2,4 Prozent der 20 Millionen Australier ausmachen, aber in Negativstatistiken einen überdurchschnittlichen Anteil stellen, sei es bei Kriminalität, Arbeitslosigkeit oder Krankheit. Dabei blicken sie auf eine reiche, 60.000 Jahre alte Kultur zurück.

Aborigine-Vertreter wie Cliff Foley von der Aboriginal and Torres Strait Islander Commission (ATSIC), einer Art Ureinwohner-Parlament, machen die Kolonisierung Australiens durch die Europäer für die Misere verantwortlich. Und in der Tat würde kein Historiker bestreiten, dass die Ureinwohner dereinst von ihrem Land vertrieben, ihre Kinder weggeschafft und die Aufrührer unter ihnen einfach eingesperrt wurden. "Enteignung, Trennung, Verhaftungen und Rassismus fordern eben ihren Tribut", ist sich Foley sicher. Doch scheinen "weiße" und "schwarze" Australier nach wie vor uneins, wie das gemeinsame Leben auf dem riesigen Inselkontinent aussehen könnte.

So hatte Australiens konservativer Regierungschef John Howard weltweit Empörung geerntet, als er eine Entschuldigung an die Ureinwohner für das Unrecht der Vergangenheit ablehnte. Stattdessen sprach er sich für eine "praktische Versöhnung" aus, bei der sich die ATSIC nicht um Politik, sondern um Wohnungsbau, Gesundheits-, Bildungs- und Beschäftigungsfragen kümmern sollte.

Viele Aborigines pochen indes auf die politische Anerkennung, erstes Volk auf dem Kontinent gewesen zu sein. Solange die Ureinwohner nicht ihren Stolz zurückerhielten, müsse jeder "praktische" Ansatz warten, sagen sie. So sieht es auch Lyall Munro, Ältester der Aborigine-Gemeinde von Redfern. "Wir haben all das Gerede über Aussöhnung gehört", sagt er nach den schweren Krawallen von Sonntagnacht. "Aber so etwas wie Aussöhnung gibt es nicht."

Frank Brandmaier, dpa
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Postby Sunny Sunshine® » 17. Jul 2004, 15:13

So einfach ist das garnicht mit der Aussoehnung und der damit verbundenen Anerkennung und sieht aus anderer perspektive leichter aus wie getan:

Vom Ureinwohner zum Sozialfall

Die Aborigines leben seit etwa 40 000 Jahren in Australien. Doch als 1788 die Besiedlung des fünften Kontinents begann, standen sie den Neu-Ankömmlingen im Weg. Zunächst wurde zwar nur eine Sträflingskolonie errichtet (dort wo heute Sydney steht), doch im Laufe der Jahre folgten englische Siedler. Da die Ureinwohner bis 1967 nicht als Menschen galten, sondern der Tier- und Pfanzenwelt zugerechnet wurden, war ihre Vertreibung und Diskriminierung ein leichtes: Sie hatten keine Bürgerrechte, durften nicht wählen, und verelendeten ohne staatliche Unterstützung. heute liegt ihre Lebenserwartung bei 30 Jahren.

Das Drama um die Aborigines

Die Aborigines sind die Ureinwohner Australiens. Als die Briten 1788 mit der Besiedlung der "Sträflingskolonie" begannen, erklärten Sie Australien zum "Terra Nullis". Zu einem Land, das niemanden gehört. Viele Aborigines wurden als "Wilde" umgebracht. Die Einwanderer ignorierten dabei, dass die Aborigines zu dieser Zeit bereits 50 000 Jahre hier lebten. Noch bis Ende der 60er Jahre war es per Gesetz erlaubt, Aborigine-Familien ihre Kinder wegzunehmen. Noch immer steht dafür eine Entschuldigung der weißen Regierung aus. Es gibt noch etwa 350 000 Aborigines in Australien (2,1 % der Bevölkerung). Sie sind sozial benachteiligt, sterben im Schnitt 20 Jahre früher, 38 % sind Arbeitslos, über ein Drittel gilt als Drogen- oder/und Alkoholabhängig.

Wuerde man Sie ankennen als Ureinwohner wuerden sie damit automatisch Rechte an Australien, Grund und Boden, erhalten und wären rechtlich in der Lage viele "heutige" Einheimische von Ihrem Grund zu verklagen. Von der Wiedergutmachung in AU $ mal ganz zuschweigen.

Ein Problem was nicht so einfach zu lösen ist .... menschlich nicht und auch nicht rechtlich. Und immerhin sind sie ""erst"" 37 Jahre Menschen.

Ich glaube es braucht noch viele Jahre um das Problem in den Koepfen der Australier zu verändern, zum positiven.

Die von John Howard im Ausland kritisierte fehlende Entschuldigung findet in den o.a. Tatsachen ihre rechtliche Begruendung. Wie kann er sich fuer etwas entshuldigen was nicht ist. Sorry fuer die folgende Bemerkung .... aber es waren lt. Gesetz Tiere, zumindest im Sinne der englischen Krone.

Ein Problem was im Ausland nicht so ohne weiteres verstanden werden kann, zumal den meisten die Geschichte Australiens nicht so vertraut ist.

Traurig aber wahr - und kaum ein Weg in Sicht es zu ändern, außer das bekanntlich die Zeit viele Wunden heilen kann.

Ich moechte mich bei allen entschuldigen denen ich mit diesem Artikel vielleicht auf die Fuesse trete. Es war und ist nicht beabsichtig. Es ist eine Bewertung aus meiner persönlichen Sicht.
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Sunny Sunshine®
 

Postby Sunny Sunshine® » 19. Jul 2004, 09:45

Du beschreibst es so schoen ...

Das eigentliche Problem steckt in den Koepfen der °Australier° und der eigentliche Schuldige ist wenn ueberhaupt die englische Krone.

Und Kopfprobleme lassen sich nicht mit Gesetzen und Entschuldigungen beseitigen und brauchen erheblich länger um geändert zu werden.

Gottseidank tut sich doch etwas, wenn auch zu wenig, seit 2000. Immer fangen an umzudenken, meistens allerdings keine URAustralier sondern die Neulinge. Hohen Anteil an diesem Prozess hatte die Olympiade 2000 ....

In diesem Licht erkennt man vielleicht, wie wichtig die Olympischen Spiele 2000 in Sydney nicht nur für Australien, vielmehr auch für die Aborigines, waren. Da keine politische Lösung gefunden wurde, hat man zumindest (als stille Anerkennung der Schuld) die Spiele so gestaltet, das die Ureinwohner in den Mittelpunkt rückten. Die "wichtigste" Goldmedaile gewann dann eine Aboriginal. Die Bilder gingen um die Welt, auch die Tränen der Freude - nun versteht man vielleicht warum die Menschen umsomehr begeistert waren und näher zusammenrückten.

Ich denke mal die Australier sind in Bezug auf dieses Problem auf dem Weg. Allerdings wird es noch Jahre/Jahrzehnte dauern, aber es ist ein Licht am Horizont - meine Meinung-
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Sunny Sunshine®
 

Postby Sunny Sunshine® » 20. Jul 2004, 03:35

Es gibt aber auch die Tatsache, das es bisher noch niemandem gelungen ist eine komplette Rasse auszuloeschen. Jede menschliche Rasse, selbst in der Tierwelt, die bisher ausstarb starb durch Eigenverschulden bzw. fehlender Anpassung.

Seien wir nicht so pessimistisch und arbeiten dran, fangen an umzudenken. Das Thema am Leben erhalten, diskutieren, aber auch anstatt Schuldzuweisungen zu machen nach Auswegen suchen. Nach Auswegen und Loesungen die fuer beide Seiten akzeptabel sind. Auch die Aboriginal muessen lernen ihr eigenes Leben zu meistern. Viele machen es inzwischen vor.

Der "vielgepriesene" Todesengel Alkohol hat seinerseit auch den Indianern fast den Kopf gekostet. Aber erst einige, dann viele, haben die Situation gemeistert.

Die Zukunft ist erst unerreichbar wenn man aufgibt.
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Sunny Sunshine®
 

erstaunt

Postby Stoni » 27. Apr 2007, 18:21

Erst einmal ein liebes HALLO an Alle,denn ich bin neu hier!
Mit großem Interesse habe ich diese Beiträge gelesen. Ich ,und sicherlich die halbe Welt;weiß von den Schwierigkeiten mit den Ureinwohnern. Leider ist mir nicht ganz klar.wie es zu so einer extremen Verschärfung des Konfliktes gekommen ist. Weshalb hat man nie versucht,sich auszusöhnen? Weshalb werden sie nicht als ureinwohner anerkannt-bzw. als erste Menschen dieses Kontinentes? Ich bin geschockt wie ein kultiviertes, hoch entwickeltes Volk keine Lösungsschritte findet.
Ich hoffe für die weißen Australier, dass sie irgendwann anfangen zu begreifen das Sie es waren, die das Land den Ureinwohnern genommen und diese nicht mehr als Dreck behandelt haben und noch immer tun.
Ich hoffe, Ihr seid mir nicht gleich brim ersten Beitrag böse - ich setze auf Versöhnung :wink:

cu
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Unterdrueckung

Postby Sunny Sunshine® » 28. Apr 2007, 09:23

schwierig ueber "Gegebenheiten" im Nachherein zu diskutieren.

Das warum liegt doch klar auf der Hand. Als die Englaender Australien erreichten und besiedelten und die Ureinwohner vorfanden erklaerte man diese eben einfach zu "Wilden + Tieren" um damit ein volles Anrecht auf das Land zu haben.

Ein altes leidiges Thema auf der ganzen Welt ...

Thema "Schwarze", "Sklaven", Indianer, Ureinwohner von Suedamerika, etc etc etc. Ich kann mich sogar aus kuerzerer Vergangenheit da an vergleichbare Dinge in Deutschland erinnern. Wie war das mit den ***** und Nichtariern ???, und aus Oesterreichischer Sicht wird das Thema immer noch etwas eigenartig behandelt.

Warum hat man nicht ... warum sollte man, es gab aus der damaligen Sicht keinen Anlass dazu da es weltweit allgemein ueblich war so Laender zu erobern bzw. in sein Eigentum einzuverleiben.

Man bemueht sich ja eine verstaendigung herzustellen was aber garnicht so einfach ist wie es auszieht. Wie wolltest du denn die australischen Ureinwohner entschaedigen ???? Wuerde heissen ... nichts gehoert den eingewanderten Australiern da ja alles dann wiederrechtlich angeeignet worden waere. Meine, so blauaeugig kann keiner sein um hier einen Ansatzpunkt zu finden. Dazu kommt dann aber auch das die Ureinwohner sich auf Grund der "Unterdrueckung" in eine falsche Richtung logischerweise entwickelt haben, aehnlich wie bei den Indianern in USA+Canada ... FEUERWASSER, kurze Lebenserwartung und Bildungsnotstand. Wie willst du das in kurzer Zeit rueckgaengig machen ???

Das wird wohl alles noch sehr viel viel zeit benoetigen bis eine konkrete Verstaendigung moeglich wird.
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Trugani, die letzte Urweinwohnerin Tasmaniens

Postby ditido » 9. May 2007, 20:07

Beitrag gelöscht
ditido
Last edited by ditido on 18. May 2007, 20:10, edited 1 time in total.
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