Ein Jahr Australien? Gute Idee... mal eben eine Application ausfüllen, E-Mail erhalten..."approved"...,Flug buchen und auf gehts. Für viele hört sich das ganz aufregend sowie spannend an und verbunden mit einem grossen Abenteuer.
Es fängt mit der Buchung des Fluges an. Buche ich ein Ticket mit offenem Rückflugdatum oder buche ich one way? Fliege ich mit einer Orga oder auf eigene Faust? Wie ist es mit Leute kennenlernen? Bekomm ich auch einen Job? Wo werde ich wohnen? Was nehm ich eigentlich mit? Soll ich ein Auto kaufen oder doch lieber Greyhound und oder Camper mieten? Wieviel Geld soll ich mitnehmen? Das sind allerdings nur nur wenige Dinge die einen dann eigentlich beschäftigen sollten. Als uns (meine Frau und ich) die Idee überrannte ein work and travel Jahr zu machen, hatten wir gerade mal mitte Januar. Im März waren wir schon in Sydney...zumindest mit Unterkunft, aber ohne Orga oder jegliche Orientierung und Unterstützung. Wir haben uns gedacht wird schon irgendwie klappen. Der Anfang war unheimlich schwierig. Das lag aber zu hundert prozent an unserer unüberlegten Nacht und Nebel Aktion. Dies wurde uns sehr schnell bewusst. Jetzt blieb uns nur noch die überlegung...was machen wir zuerst??? Unser riesiger und unentberlicher Vorteil war...wir hatten unser netbook mit...und dank google und McDonalds (kostenlos Internet) haben wir uns erstmal zurechtfinden können.
Wir haben uns überlegt...wir haben jetzt zwei Optionen
Nummer eins (Risiko)...wir fangen direkt an zu reisen (Erspartes) und schauen wo wir einen Job finden und wie weit wir kommen oder
Nummer zwei...wir bleiben erstmal in Sydney, suchen uns eine Bleibe und einen besser bezahlten Job als Fruitpicking. Wir waren uns dann auch nach kurzer Zeit einig, dass wir uns für die Zweite sichere Variante entscheiden.
Also war als nächstes die Wohnungs und Jobsuche im Vordergrund. Wobei sich hinterher die Jobsuche wesentlich einfacher gestalltete als eine gescheite günstige Unterkunft zu finden. Nachdem wir uns dutzende Stellenangebote aus dem Internet, Zeitung, Pinnwände und Mundpropaganda eingeholt hatten, hing alles von einer guten Bewerbung ab. Natürlich standen wir wieder am Anfang, da eine Australische Bewerbung, sprich CV komplett anders aufgebaut ist als wir das von unsererm Heimatland kannten. Somit mussten wir mehrere Stunden und Abende damit verbringen eine gute Bewerbung auf die Beine zu stellen. Der Vorteil hier ist, dass die Bewerbungen zum grössten Teil online versendet werden können und somit hatten wir das Problem nicht uns mit lästigen Bewerbungsmappen rumschlagen zu müssen. Nun hieß es erstmal abwarten und hoffen. Während wir auf Antworten warteten konnten wir uns unserem anderen Thema widmen...der Wohnungssuche.
Real estate Agenturen gibt es hier zu hauf, die einem Wohnungsangebote anbieten. Besichtigungstermiene können wie sollte es auch anders sein über das internet bzw. telefonisch vereinbart werden. Die Wohnungen die wir uns angesehen haben waren allerdings sehr erschreckend, wenn man den Standard in Deutschland gewohnt ist. Von dreckig und verschimmelt bis hin zur runtergekommen vom Zerfall bedrohten Baracke war alles dabei. Und wir hatten das Budget schon höher angesetzt als wir eigentlich wollten. Hat man sich erstmal für eine Wohnung entschieden, heisst es noch lange nicht, dass man auch einziehen kann. Zumal muss man sich darum bewerben und alle Daten offenbaren, praktisch Punkte sammeln. Also kam sharen ins Spiel, wobei für zwei Personen sich dies noch komplizierter gestaltete. Also nochmal Besichtigungstermiene wahrnehmen. Jetzt hatten wir aber das nächste Problem. Wenn man sich mehr wie 2 Wohnungen am Tag ansehen wollte, brauchte man ein Auto oder zumindest einen Fahrbaren Untersatz um auch die weiten Strecken zurücklegen zu können. Öffentliche Verkehrsmittel sind flächendeckend verbreitet, aber auch immer zu zweit mit dem Bus ist auf dauer kostenintensiev. Autokauf? Die meisten Besichtigungen dauern in der Regel 15-30 Minuten und man traff auch immer wieder die selben Leute die sich bewarben. Wenn man bedenkt, dass sich mehr wie 30 Personen für eine Wohnung interessieren, die meisten auch resident, dann hat man schon schlechte Karten wenn man max 6 Monate Aufenthalt angibt. Ausserdem sind wenige Wohnungen eingerichtet. Meistens ist eine Küche und sehr verbreitet ein built in Wandschrank vorhanden.
Zwei Wochen später immer noch keine gescheite Wohnung oder ein job in Aussicht, aber dafür der Entschluss...ein Auto muss her. Autokauf und Anmeldung in Australien ist genauso einfach wie ein Sixpack Beer zu erwerben. Da man mittlerweile aus seinen Fehlern gelernt hatte habe ich mich erstmal informiert. Worauf kommt es eigentlich an? Natürlich Zustand, Nutzungsfaktor, Rego, Austattung, Wirtschaftlichkeit etc. kann man ja hier im forum auch nachlesen. Was auch wichtig war, dass keine Tickets (Falschparken, Speeding etc.) noch ausstehen, die dann auf den neuen Besitzer überschrieben werden und dann bei der Anmeldung entrichtet werden müssen. Kann man ganz einfach online checken. Haben uns dann für einen Van entschieden den wir dann im laufe der Zeit zum Camper ausbauen wollen.
An diesem Punkt unseres Abenteuers kam die Wende.
Endlich...Jobangebote und das nichtmal zu knapp. Ich habe mich als Mechankier beworben und gleich mehrere Jobangebote erhalten. Somit fiel die Auswahl sehr leicht..."Wieviel arbeiten, für welches Entgelt". Meine Frau hat gleich zwei Fliegen mit einer Klappe erledigt. Job UND Wohnung. Aufeinmal ging es bergauf und nicht immer nur auf der Stelle tramplen. Sie hat einen Job als AuPair angenommen. Das heisst, dass sie sich um fremde Kinder kümmern muss und ein eigenes Appartment (Granny Flat) komplett eingerichtet zur Verfügung gestellt bekommt. Zusätzlich noch wöchentliches Entgelt. Das Beste ist, dass ich auch mit einziehen konnte ohne irgendwelche Mietkosten oder Bills. Somit können wir jede Woche das Geld sparen um nach dem Arbeiten reisen zu können. Dies ist ein riesieger Vorteil, wenn man bedenkt wie teuer die Wohnungen oder Zimmer in Sydney sind. Aber auch nicht nur mieten, sondern das Leben allgemein hier ist teuer (Lebensmittel, Alkohol, Ausgehen, Zigaretten etc). Jeder der schonmal hier war, weiss wovon ich spreche. Ab diesem Zeitpunkt waren wir entspannter und konnten uns schonmal auf die Reiseroute konzentrieren und dementsprchend planen. Allerdings war dies nicht das Ende unserer Pechsträne. Leider hatte meine Frau von ihrer Chefin das Auto geschrottet!!! Somit waren wir wieder in der Schuldenfalle und unser Erspartes, dass eigentlich fürs Reisen geplannt war, musste dann anderweitig investiert werden. Somit hatte Mann sich um einen Zweitjob umgesehen um doch noch irgendwie auf einen grünen Zweig zu kommen. Dies war aber noch nicht das Ende der Fahnenstange...nach dem Verlust des Eherings war unser Glück perfekt...Was könnte jetzt noch schlimmer sein? Vielleicht im Nirgendwo mit dem Auto liegen bleiben??? Wahrscheinlich...aber zum Glück waren wir nicht im Nirgendwo, sondern immer noch in Sydney. Da ich als Mechaniker tätig bin, war dies auch schnell behoben. Haben uns daraufhin entschlossen den Wagen richtig auf Vordermann zu bringen bevor wir anfangen zu reisen...denn im Outback kann dies wirklich schnell auf das Gemüt schlagen.
Am 30 Juni ist wirtschaftlich das Jahr zu Ende. Also kann man ab dem ersten Juli seine Steuererklärung machen. Ich habe mir gedacht, dass dies nicht so schwierig sein kann, da man zu Hause die Steuer alleine hinbekommt. Wenn man mit etax (Steuerprogramm) seine Erklärung macht, hat man zu Beginn zwei Optionen. RESIDENT und NON-RESIDENT. Ein Unterschied ist, dass non residente ab dem ersten verdienten Dollar versteuert werden. Resident im Gegeteil bezahlen auf die ersten 6000$ keinen einzelnen Cent. Natürlich habe ich mich für non-resident entschieden, da man der Meinung ist, dass resident nur für Australier bestimmt ist. Jedoch wurde ich als resident eingestuft. Das kann ganz leicht durch Frage Antwort Aufgaben auf der TAX Office Homepage herausgefunden werden.
Nachdem ich die Steuererklärung (non resident) weggeschickt hatte, bekamm ich Post mit der Bitte 800$ nachzuzahlen!!! Habe mich daraufhin mit dem Tax office in Verbindung gesetzt,weil ich mal wieder einen total blöden Fehler gemacht hatte und nun muss ich noch ein Amendment schreiben. Hätte ich mich doch mal wieder informiert bevor ich so etwas angehe. Irgendwie lernt man es nie. Jetzt warte ich schon seit Wochen auf eine Antwort.
Mitlerweile sind mehrere Monate rum und wir haben uns ziemlich gut eingelebt. Die Arbeit bestimmt leider immer noch unseren Alltag. An den Wochenenden besichtigen wir häufig, die in der Umgebung liegenden Nationalparks. Ich bin immer noch beeindruckt, wie so eine riesige Stadt im Einklang mit der Natur ist. Aber nicht mehr lange und wir starten unsere Rundreise. Der Plan ist es, wie der Name "Rundreise" schon sagt, einmal um die Insel herum zu fahren. Start in Sydney, über die Ostküste nach Cairns, einmal quer Feld ein nach Broome, Westküste entlang nach Perth und zurück zum Ausgangspunkt.
Hätten wir nochmal die Wahl, dann würden wir uns genauso entscheiden. Aller Anfang ist schwer, besonders, wenn man in einem fremden Land sich zurechtfinden muss. Wir sind sehr froh, dass wir diesen Schritt gegangen sind.Schon jetzt sind wir um einige Erfahrungen reicher. Der schwere Anfang hätte nicht sein müssen, wenn man sich vorbereitet und darauf eingestellt hätte. Dazu muss ich sagen, dass wir viel Glück hatten und wundervolle Menschen die sich für einen Einsetzen.
Wir freuen uns jetzt schon auf unsere kleine grosse Rundreise!!!!
Grüße aus Sydney







