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Noch nie ein Känguruh in freier Wildbahn gesehen? Es gibt etliche neue Programme für Praktikanten und Jobber, die schon immer mal nach Australien wollten.
Man merkt nicht, daß man kopfüber von der Erde hängt“, meint Hanna Nöther. „Und daß sich die Wasserstrudel anders- herum drehen, ist auch eher nebensächlich.“ Die Architekturstudentin der Technischen Fachhochschule Berlin ging im März 1999 in den Südosten Australiens, um dort für ein halbes Jahr als Praktikantin zu arbeiten.
über die Vermittlungsorganisation für Auslandspraktika Interswop kam Hanna Nöther zu Brown Falconer Architects, einem Architekturbüro in Adelaide. „Da das steife ‚Sie‘ in englischsprachigen Ländern ohnehin entfällt, und sich im Büro alle mit Vornamen angeredet haben, herrschte dort ein sehr angenehmes Betriebsklima“, berichtet die Berlinerin. „Wenn einer der insgesamt 24 Mitarbeiter Geburtstag hatte, wurde beim Morning Tea vor der Küche geplaudert.“
Während ihres Nine-to-Five-Arbeitstages übernahm sie die unterschiedlichsten Aufgaben. Sie zeichnete Grundrisse und Details im Computer oder legte Lagepläne und Ansichten farbig an. Und wenn ihr Schreibtisch leer war, fragte sie bei den Kollegen, ob jemand einen Job für sie hätte. „Dann wurde ich auch schon mal mit sogenannten Sklavenarbeiten wie dem Kopieren von Sitzungsunterlagen beauftragt.“
Interessanter waren die Baustellenbegehungen oder Bausitzungen, zu denen die angehende Architektin mitgenommen wurde. Da Brown Falconer auch außerhalb von Adelaide viele Bauprojekte durchführt, sah Hanna Nöther viele andere Teile der Region South Australia. Geld gab es für das Praktikum nicht, dafür aber einen Reisegutschein, mit dem die 24jährige für eine Woche in eine australische Stadt ihrer Wahl reisen durfte. Auf diese Weise konnte Hanna Nöther in Cairns an der Korallenküste noch etwas Sonne tanken, bevor sie in den deutschen Herbst zurückflog.
Wegen eines früheren USA-Aufenthaltes sprach Hanna Nöther schon bei ihrer Ankunft gut Englisch. Aber spätestens bei Telefongesprächen hatte auch sie mit dem sogenannten Aussie-Englisch zu kämpfen. „Besonders australische Männer ziehen ihre Sätze zu einem Wort zusammen. Zu diesem Nuscheln kommt noch die nasale Aussprache. Sowohl „Tony“ als auch „tiny“ klingen wie „toiny“, wenn man sich die Nase zuhält.“ Die Berlinerin nahm es gelassen und überbrückte die Anfangszeit mit Lippenlesen.
Ansprechpartner vor Ort
„Wir haben Nachfragen von Studenten, FH-Studenten, Vorpraktikanten und Absolventen aller Fachrichtungen - von Betriebswirten und Ingenieuren über Journalisten und Sozialwissenschaftler bis hin zu Umweltwissenschaftlern und Geographen“, berichtet Kai Segelcken von Interswop. Die Einsatzorte sind Adelaide, Melbourne, Perth, Cairns und Sydney.
„Die Präferenzen bezüglich Region oder Stadt gibt grundsätzlich der Teilnehmer vor“, erklärt Kai Segelcken. „Wir empfehlen bestimmte Städte, wenn sich aufgrund regionaler Besonderheiten besonders gute Möglichkeiten für Praktika ergeben, zum Beispiel Cairns für Tourismus oder Perth für Bergbau und Minengesellschaften.“
Daß Interswop seinen Programmteilnehmern einen Ansprechpartner vor Ort bereitstellt, wußte auch Hanna Nöther nach 20 Stunden Flug, 14 Stunden Aufenthalt in Singapur und wenig Schlaf zu schätzen. Eine Kontaktfrau der Partnerorganisation von Interswop vor Ort holte die Berlinerin vom Flieger ab, stellte sie bei ihrer künftigen Arbeitsstelle vor und war auch bei lebenspraktischen Dingen wie der Eröffnung eines Kontos behilflich.
Eine Alternative zum Praktikum ist das Visum für sogenannte „Working Holiday Makers“ (WHM). Es ermöglicht Australien-Begeisterten, bis zu zwölf Monate im Land zu arbeiten und zu reisen. 1999 waren 65.000 WHMs unterwegs - eine gute Chance, die in der Vergangenheit jedoch nur einer verschwindend geringen Zahl von Deutschen zugänglich war. Bisher hatten die Australier für deutsche WHMs eine Quote von 50 pro Jahr angesetzt.
Seit dem 1. Juli 2000 ist das anders. Dank entsprechender Kulturaustauschverträge zwischen Deutschland und Australien können jetzt auch junge Deutsche zwischen 18 und 30 Jahren das WHM-Visum beantragen und ihren Australienaufenthalt damit legal durch verschiedenste Gelegenheitsjobs finanzieren. Für Praktikanten gilt dieses Visum nicht.
Anders als beim Praktikantenvisum, das erst dann ausgestellt wird, wenn der Antragsteller bereits eine Stellenzusage in der Tasche hat, können die Working Holiday Makers ihre Arbeitgeber vor Ort suchen.
Einen Orientierungs-, Backup- und Notfall-Service für die Suche nach Jobs und Unterkünften bietet das neue Programm Work & Travel Australia des Council on International Educational Exchange e.V.
„Unsere Programmteilnehmer arbeiten in allen Branchen, aber Schwerpunkte sind natürlich Tourismus, Hotellerie, Gaststätten, Pubs, Themenparks, Strand und ähnliches“, erklärt Kurt Gamerschlag, Geschäftsführer von Council Deutschland. „Die Einsatzorte werden sich aller Erfahrung nach im dichtbesiedelten sonnigen Osten knubbeln.“ Unabhängig von der Branche gilt jedoch: Der Arbeitgeber muß spätestens nach drei Monaten gewechselt werden!
Um schnell und günstig eine Unterkunft zu finden, hilft der Australian Accommodation & Discount Guide, der zum Council-Servicepaket gehört. Bleiben Jobber längere Zeit an einem Ort, können sie sich auch über die Infobretter an den Universitäten einen WG-Platz besorgen. Für die Jobs gibt es in jeder Branche etwas unterschiedlich festgelegte Mindestlöhne, die zwischen 250 und 350 australische Dollar pro Woche liegen.
Frühzeitig vorbereiten
Da ein Praktikum oder Job am anderen Ende der Welt mit viel Organisation verbunden ist, rät Interswop-Praktikantin Hanna Nöther, rechtzeitig mit den Vorbereitungen zu beginnen. „Man sollte nicht erst zwei Tage vor Abflug das Bargeld tauschen, weil deutsche Banken nicht immer australische Dollar vorrätig haben.“
Der große Vorbereitungsaufwand hat sich für die Architekturstudentin jedoch gelohnt. Ihr Resümee fällt positiv aus. „Mein Englisch ist flüssiger geworden, und ich habe einfach etwas Selbstbewußtsein und viel Gelassenheit getankt.“ Und schließlich werden ihr die für Australien typischen „Acts of random kindness“ in Erinnerung bleiben. „Wenn mir von einem wildfremden Mitmenschen ein Gefallen ohne Vorhandensein eines ‚Motivs‘ erwiesen wurde, konnte das schon mal einen ganzen Tag retten.“
Weitere Informationen:
Für Australien vermittelt Interswop e.V. Sprachkurse, Praktika und Unterkünfte. Die Anmeldung ist jederzeit möglich. Wie bei allen englischsprachigen Zielländern beträgt die Vorlaufzeit etwa vier bis sechs Monate.
Infos gibt es per Post:
Interswop e.V.
Bornstraße 16
20146 Hamburg
(mit einem mit 2,- Euro frankierten DIN-A4-Rückumschlag)
Tel.: 0 40/4 10 80 28
www.interswop.deDas Servicepaket Work & Travel Australia des Council on International Educational Exchange e.V. (CIEE) kostet 2.950,- Mark und umfaßt den Australian Accommodation & Discount Guide, Flug, Versicherungspaket, Transfer, drei Nächte Unterkunft in Sydney sowie Zugang zum Working Holiday Center des Council Australien (Job Boards, Internet-Zugang, Telefon, Kopierer, regelmäßige Orientierungen etc.). Alle Service- und Backup-Leistungen des Council gelten im übrigen auch für Praktikanten, den Praktikumsplatz müssen sie sich jedoch selbst besorgen. Info: Tel.: 0 30/2 84 85 90 oder unter
www.council.de.
Auch die Carl Duisberg Centren gem. GmbH bieten ein Sprachkurs-Praktikum-Paket in Sydney an. über dieses und andere Programme informiert die kostenlose Broschüre „Fit für die Welt“
Tel.: 02 21/1 62 62 89
Fax: 02 21/1 62 62 25
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Text: Hochschulanzeiger Nr. 53, 2001